
Samstag sind wir nach einer kurzen Fahrt in Sexten angekommen. Da wir in unserem Sabbatical natürlich kein Anrecht auf Urlaub haben, beäugen wir manchmal die anderen Gäste ein wenig neidisch. Aber wirklich nur ein wenig 😉 Vor allem nur ein wenig, weil es den ganzen Samstag in Strömen geregnet hat. Da tun sie uns eher ein wenig Leid, aber auch nur ein wenig 😇
Nachdem wir nachmittags in der Gerda einen guten Kaffee und ein leckeres Stück Kuchen genossen haben, haben wir unsere Pastaparty auch zuhause genossen. Zum Leidwesen unserer italienischer Follower sogar mit Vollkornnudeln. Nach der Pastaparty sind wir runter ins Dorf gefahren und haben unsere Startunterlagen am Infopoint abgeholt. Der freundliche Stonemanmitarbeiter hat uns ausführlich aufgeklärt und noch einige gute Tipps mit auf den Weg gegeben. In diesen Momenten ist es doch für uns Europäer immer wieder sehr gewöhnungsbedürftig, wenn man sein Gegenüber versteckt hinter einer Maske gar nicht so richtig erkennen kann. Wie sieht er aus, wie ist seine Mimik? Alles kann man nur erahnen. Zum Glück sprechen auch Augen und man hört eine Stimme, was einem so einiges übermittelt. Vielleicht könnte man sich mal für einen kleinen Moment versetzt fühlen in die Welt eines schlecht sehnenden Menschen… 🤔 Startpaket unterm Arm sind wir wieder zurück zum Campingplatz gefahren und haben unsere Vorbereitung fortgesetzt, damit die nächsten Tagen alles optimal läuft 😀
Sonntag früh aufgestanden und in Ruhe alles fertig gemacht: Frühstück, Rennräder, Trinkflaschen und nicht zu vergessen unsere Rucksäcke 🎒
Richtig, wir fahren jetzt doch in Urlaub.
Möchte man Stonewoman oder Stoneman werden, ist das genauso wie bei Ironwoman oder Ironman. Man sollte fit sein. Beim Stoneman könnte man auch sagen fit, fitter, am fittesten. Wir haben uns als fitter eingestuft, vor allem, weil wir neben der sportlichen Challenge auch das Naturspektakel in uns aufsaugen und genießen wollen 😀 daher 2 Tage.
Morgens halb 10 in Sexten: Es geht los 😀 Da wir auf knapp 1500 Hm wohnen geht es erst mal schön runter. Vom Campingplatz über Moos, Sexten, Innichen nach Toblach.

Nach einen kurzen Stopp ca. 200 m vom Campingplatz entfernt, wo sich eine Hälfte von uns beiden doch noch wärmer anziehen wollte, kam der nächste Halt kurz nach Toblach, wo wir uns dann von Windjacke, Armlinge und Beinlinge befreiten und in den ersten Anstieg fuhren. Ein schönes Warmfahren auf den Passo Cimabanche (1530m.) 3,6 Km mit 104 Hm.

Nach dem Aufstieg folgt die Abfahrt nach Cortina d‘Ampezzo. Wir streifen den Ort kurz, um dann fast direkt in den Passo Falzarego (2105m) einzusteigen. Die Auffahrt ist 16 Km lang und wir machen dabei 900 Hm. Außer ein verrückter Porscheclub aus den Niederlanden und eine Gruppe mit historischen Vespafahrern konnten wir echt geniessen. Es gab einige andere Rennradfahrer am Berg und da kann es immer mal passieren, dass die Spielen wollen. Dann geht es wirklich gut voran. Sigrid hat dann „de achtervolgers“ im Schlepptau mit hochgebracht
Oben auf dem Passo Falzarego haben wir einen Kaffee und nach etwas durchfragen auch unsere Stempelautomaten gefunden…

Die Abfahrt vom Falzarego gab schon einen guten Vorgeschmack auf das, was nach unten so möglich ist… Nach gut 11 Km ist man unten und biegt ab zum Colle Santa Lucia (1480m). Man fährt auf 2,5 Km nochmal 185 Hm, nicht lang, aber doch schon im zweistelligen Prozentsatz. Oben auf „der Kuppe“ haben wir dann kurz was gegessen. An einem Tisch waren bei zwei älteren Radfahrern noch 2 Plätzchen frei. Der optisch etwas älter wirkende erzählte uns, dass er einige Jahre in Düsseldorf gewohnt hatte und berichtete über die nicht gute Arbeit Untertage. Immer wieder nett so kurze Begegnungen. Nach einem Kaffee und einem Stück Apfelstrudel geht es dann weiter zum Passo di Giau (2233m)

Passo di Giau 9,5 Km lang und 849 Hm. Die Sonne brennt mittlerweile ganz schön und der Schweiß fließt. Der Anstieg fängt an mit einer 300 m langen Rampe, die einen sofort spüren lässt, dass man vorher auch schon was getan hat. Nach ca 2 Km trifft es dann Martin, ein Tom Dumoulin-déjà-vu. Runter vom Rad und ab ins Gebüsch, Trikot aus, Hose runter, laufen lassen und zugucken, wie die Verfolger an einem vorbeifahren. Dann wieder zurück aufs Rad und die Verfolgung wieder aufnehmen… Sch… nochmal vom Rad und die gleiche Prozedur … Etwas mehr Zeit gegönnt und wieder rauf aufs Rad. Erstmal Druck machen mit den Beinen. Ups, da bahnt sich ein Krampf an. Also wieder runter vom Rad und entspannen, Sigrid eine kurze Nachricht schreiben, dass es etwas länger dauert und dann wieder rauf aufs Rad. Jetzt die letzten 4 Km die Krämpfe unterdrücken und die Steigungsprozente ignorieren. Das funktioniert ganz gut bis man den letzten Km dann doch noch ein paar Spielkameraden sieht, die einem hochpushen zu seiner Freundin, die gefühlt seit Stunden schon oben wartet 🙃
Der Ausblick vom Pass ist atemberaubend schön, unvergesslich 😍
Die Abfahrt ist Martin dann in Nibali-Art runtergeflogen. 7 Motorräder und 2 Autos sind überholt worden. Diese Spielkameraden konnten ihm dann nicht mehr folgen. Am Ende der Abfahrt liegt dann schon wieder Cortina d´Ampezzo, wo die Dusche schon auf uns wartet 😀
Bei einem sehr üppigen 3-Gänge-Menü, mit dem wir das Personal in Staunen versetzt haben, konnten sie wohl nicht verstehen, dass 2 Hänflinge soviel Essen und haben einfach übersehen, dass wir nochmal Nachschlag haben wollten. Mit vollem Magen ging es dann ab ins „echte Bett“. Erholen für die zweite Etappe.
Gut ausgeruht und nach einem üppigen Frühstück geht es dann vom Hotel aus direkt in den Anstieg zum Passo Tre Croci (1809m). Als warming-up geht es auf 8,1 Km erstmal 575 Meter nach oben und man kann gut in sich hinein fühlen.
Warming-up absolviert, dann ein leichtes Cooling-down von knapp 2 Km, um in einem sogenannten Gegenanstieg den Col Sant Angelo zu bezwingen. Auf Passhöhe liegt auch der Misurinasee mit einem schönen Blick in Richtung der Drei Zinnen.

So… Vorgeplänkel an Tag 2 haben wir hinter uns gebracht. Ab jetzt wird es Ernst 😑 Hinter dem Misurinasee kommt der Abzweig zur Auronzohütte, Tre Cime di Lavaredo (2320 m). Auf 7,2 Km fährt man 628 Hm. Hört sich erstmal easy an, aber auf diesen 7,2 Km geht es teilweise auch noch mal runter. So kommt es, dass man auf den letzten 4 Km nur noch 12 und 13% Steigung fährt und stellenweise noch darüber. Nach Strma Reber und Monte Zoncolan erschüttert einen das nicht mehr. Oder so wie Sigrid meint: Nach den „Druckpausen“ und Krämpfen von gestern und mit der falschen Übersetzung am Rad ist das genau die Extra-Herausforderung, die Martin braucht.
Die schwierigste Stelle absolviert, geht es dann erstmal ungefähr 30 Km hinunter. Nicht steil, aber doch ganz schön schnell. Da fragt man sich, ob die Kilometer nach oben doch viel länger sind als die nach unten 😉 Unten angekommen, machen wir eine kurze Pause am See Aurozo di Cadore und stärken uns für die letzten beiden Pässe.
Direkt nach Auronzo di Cadore geht es in den Passo San Antonio (1489m). 8,5 Km lang und 683 Hm, auch hier wieder etwas verräterisch, weil zwei Teilstücke runter gehen, die Steigung liegt deshalb auch hier oft und lange über 10% und teilweise wieder bei 15%. Trotzdem kommt die Passhöhe schneller als erwartet und es liegt nur noch einer vor uns 😀
Nach einer sehr kurzen Abfahrt nach Padola biegen wir auf den Passo Monte Croce di Cormelico (1636 m) ein. Die Auffahrt ist 11 Km lang und man gewinnt nur noch 420 Hm. Da möchte man schon fast die Kette rechts legen 😂 Man kann sogar mal absteigen, um ein Bild zu machen.

Auf der Passhöhe nur noch stempeln und dann zum Campingplatz runter rollen.

Frisch geduscht und gestärkt durch einen Kaffee und noch mal viel Wasser, fahren wir wieder zum Infopoint runter.
Da angekommen lernen wir jetzt Roland Stauder kennen. Der Roland ist ein ehemaliger Mountainbikeprofi und hat so einiges gewonnen in seiner Karriere. Wir haben mit ihm richtig nett geplaudert und ihm berichtet, dass Martin Promberger uns einiges vom Stoneman Tauristica vorgeschwärmt hat und uns so erstmal heiß gemacht hat. Wir haben uns vorgenommen, seinen Spuren in Österreich und der Schweiz (Stoneman Glaciara) weiter zu folgen 😀 Seine Idee, dass nicht die Leistung zählt sondern die Emotionen und das Naturerlebnis, können wir vollkommen bestätigen. Es war eine Challenge, aber das, was wir gesehen haben, ist eingebrannt fürs Leben. Chapeau und Dankeschön, Roland, auch für die schöne Begegnung in Sexten. Wir werden auch bei dir weiter Bericht erstatten. Die silberne Trophäe reist jetzt mit.
Interesse bei euch dann schaut doch mal vorbei: https://stoneman.it



























