Le TdF premier Edition

Die Ardèche haben wir hinter uns gelassen und sind über Montelimar, Valence und Grenoble nach Allemond gereist. Ein kleines verschlafenes Örtchen eingebettet in den Alpen und natürlich gelegen an…

Die Temperaturen waren auf eurem Niveau, also sehr angenehm 😎 und Garmin bestätigte uns, dass wir mittlerweile zu 100% an die Hitze akklimatisiert sind. Laut Garmin sogar an eine Höhe von 1100 Metern. Die besten Voraussetzungen, um die nächsten Tagen die Bergetappen in Angriff zu nehmen. Die Jagd auf „de Bolletjestrui“ war eröffnet 😎

Als kleiner Knirps hat sich Martin schon die Livereportagen angeschaut, das Lenkrad vom normalen Fahrrad umgedreht, damit es wie ein Rennlenkrad wirkte und in seiner Phantasie die Etappen mitgefahren. Wenn er in den Bergen unterwegs ist, ist der Kleine immer mit 😉 Da kribbelt sein Bauch und die Pässe betteln ihn förmlich darum an, befahren zu werden. Es sprudelt im Kopf, Namen wie Poullidor, Zoetemelk, Jalabert, Armstrong und natürlich Marco Pantani flitzen vorbei. Die Extra-Kammer im Gehirn, wo Sportdaten abgelegt sind, hat noch ein Sonderabteil für die TdF 😀 Passnamen, Bergankünfte und historische Siege oder Niederlagen werden gefragt oder ungefragt von ihr erzählt 😇

Für den ersten Tag haben wir uns zum einrollen „die Lancets de Montvernier“ ausgesucht. Eigentlich kein richtiger Pass, dafür aber besonders schön. Die Straße wirkt – von oben betrachtet – wie ein heruntergefallener Schnürsenkel und wurde in 2015 zum ersten Mal in die TdF aufgenommen. Sascha, der in dem Jahr für die Stiftung „Kinderlachen“ die Pretour gefahren ist, musste da wegen schwerer Unwetter aussetzen. Deswegen haben wir ihn gedanklich mitgenommen 😎

Eine kurze und schöne Erfahrung, nach gerade mal 3,4 Km und 350 Hm Differenz ist man schon oben. Für uns war dieser Anstieg der Kategorie 2 ein gutes Warming-up für die nächsten beiden Tage.

LA MARMOTTE

Beim Pässe sammeln kommt man gut voran, wenn man die Strecke von La Marmotte fährt, ein jährliches Jedermann-Rennen. Wir haben für uns die Strecke etwas angepasst, wodurch wir noch einen Pass zusätzlich nehmen konnten. Dafür sind wir allerdings die Strecke in 2 Tagen gefahren.

Angefangen in Allemond, direkt vom Campingplatz verlaufen erstmal Col du Glandon und Col de la Croix de Fer zusammen hoch. Da es noch früh ist, ist wenig auf der Straße los. Die anderen Fahrer auf der Strecke werden dann zum Spielball und natürlich beim Überholen freundlich gegrüßt 😇 Nach ca 27 Km und 1460 Hm biegen wir links ab, um nach einigen Hunderten Metern die Glandonspitze zu erreichen

Kurz zurück zur Abzweigung und dann die letzten paar Kilometer zum Gipfel des Col de la Croix de Fer. Da gab es dann einen Café Noir und une Tarte du Frambois 😋

Die Berggasthöfe sind natürlich ein Sammelsurium der RennradfahrerInnen. Ein kurzes nettes Gespräch mit einem asiatischen Pariser und dann haben wir uns von einer netten niederländischen Frau die Bergwelt da oben erklären lassen. Sie wohnt seit ca. 14 Jahren in der Umgebung und ist regelmäßig da oben und schaut sich das wunderschöne Panorama an 😊

Nach Anstieg kommt Abfahrt, gute 30 Km das Rad sausen lassen: leider geil. Mittagspause in St. Jean-de-Maurienne, wie immer waren wir im Glück und hielten um 12 Uhr 19 vor einer Boulangerie an die um 12 Uhr 20 schließen wollte. Martin schnell reingegangen und kurz mit der Dame am Tresen geklärt, dass la Chef du Maison gleich auch kommen würde 😊 Das überraschte die Dame gar nicht und meinte „c‘est normal“ 😉 Sie hat uns dann noch kurz eine Französisch Nachhilfestunde gegönnt 😊

Jetzt lag nur noch der Col de Telegraph vor uns. Martin war den schon in 2017 gefahren, aber konnte sich nicht so richtig erinnern. Er ist recht leicht zu fahren, aber es gibt keine wirklich schönen Ausblicke, noch nicht mal auf der Passhöhe. Dann kommt eine kurze Abfahrt bis Valloire und dann ab ins Hotel.

Erst kurz duschen und dann Zeit für …

Unsere Übernachtung war im Hotel du Cret Rond, das in 2016 mit 2 Sternen bewertet wurde. Das Zimmer war geräumig, das Badezimmer komplett neu renoviert, das Abendessen sehr gut, das Frühstück sehr gut und das Personal freundlich, aufmerksam und zuvorkommend. Wir würden hier 3 Sterne *** geben, falls ihr mal in Valloire seid…

Gut erholt ging es in den zweiten Tag. Gemütlich aus Valloire ausrollen und dann ab in den Col du Galibier, wo Martin vor drei Jahren die Erfahrung gemacht hat, in Regen und leichtem Schneeregen gefroren zu haben und zitternd in der Abfahrt stehen zu bleiben. Diesmal Sonnenschein pur, nur ganz oben war es windig und kühl, aber auf über 2600 Meter auch normal 😎

Wenn man den Galibier runterrollt, nimmt man den Col de Lautaret einfach so mit 😊

Vom Lautaret eine ganz lange Abfahrt, im Prinzip bis Bourg-d’Oisans. Trotz einigen dunklen Tunneln eine Abfahrt mit wahnsinnig schöner Aussicht 😊

In Bourg- d‘Oisans angekommen, durchfährt man den Ort bis zu einer scharfen Linkskurve und schon ist man drin …

L‘Alpe d‘Huez

Der Mythosberg… Hier möchten auch die ganz Großen gewinnen, der Berg der Holländer wird er genannt 😉 Zwischen 1976 und 1989 hat 8 x ein Holländer gewonnen. Immer hat der niederländische Pfarrer Reuten (Notre Dame des Neiges) die Glocken geläutet, als ein Holländer die Etappe gewann, so sagt es die Geschichte 😀 Ob es stimmt? 🤔

Auf jedem Fall ist es brütendheiß, als wir hochfahren. Mit den Kilometern und Höhenmetern der letzten Tage in den Beinen können wir gut nachvollziehen, was die Profis durchmachen. Das einzige, was fehlte, waren die Spalier-stehenden Zuschauer und die Oranjefete in Kurve 7. Jeder Meter war gefühlt hart und oben angekommen waren wir froh, auch diesen Pass geschafft zu haben 😇

Jetzt gab es nur noch die Abfahrt zurück nach Allemond. Sie führte über den Pass mit dem wunderbaren Namen: Pas de la Confession 🤔 Ob die wohl wissen, dass wir keine Kirchensteuern bezahlen? 😇 Dafür haben wir dann Nächstenliebe betrieben und einer klapperigen alten Dame, die auf allen Vieren Stufen hochgeklettert kam, bis oben geholfen. Sie glaubt bestimmt, dass wir vom Himmel gesendet waren 😉 Müde, aber glücklich treffen wir nach der letzten Abfahrt wieder zurück auf dem Campingplatz ein.

Am anschließenden Ruhetag haben wir dann noch die Räder gepflegt und schön geplaudert mit einem Pärchen aus den Pyrenäen. Wir konnten uns gegenseitig Tipps mit auf den Weg geben und als Abschiedsgeschenk hat Martin seinen Stoneman-Anhänger verschenkt ☺️ Mittlerweile war der Tourkaravaan schon weiter gezogen und wir mussten hinterher. Zwei Etappen standen uns noch bevor. Station war Notre-Dame-du-Briançon und als wir alles installiert hatten, war noch Zeit übrig, um mal kurz bei den Kollegen, die das Critérium Dauphiné fuhren, vorbei zuschauen 😉

So wie für die Kollegen stand für uns der Col de la Madeleine auf dem Programm. Die Sonne war schon früh da und kurz vor 10 sind wir gestartet. Die ersten 10 Km noch flach und dann ab nach oben. Vor der ersten Kurve waren schon Mitstreiter zu sehen und die Pantani-Feelings bekamen überhand. Wir sehen uns dann oben ☺️ Ein sehr schöner Anstieg mit zwischenzeitlich sehr schönen Ausblicken und oben ein wunderbares Panorama ☺️

Natürlich wollen wir gerne Café Noir trinken. Das ging aber nicht, denn mittags gibtˋs Essen. Ob sie Kuchen haben, fragen wir❓ Nein, nur Nachtisch, eine Art Apfelkuchen. Okay, dann 2x als Nachtisch Apfelkuchen und Café Noir. Sehr gerne 😉

Als Abschluss stand dann der Col de la Loze auf dem Programm. Auch da erstmal 10 Km einrollen und dann in den Berg hinein. Die ersten 10 Km immer schön entspannt, mal 5%, mal 7% und mal 8%. Dann kommt man nach Méribel. 1973 war hier mal Etappenziel, dieses Jahr geht es aber weiter bis oben auf den Col. Und ab jetzt wird es HART‼️ Die Rampen wechseln sich permanent ab, wobei selten unter 10% und zwischen Kilometer 18 und 22 wechselt es so zwischen 10 und 21%, wobei die letzte Rampe noch mal 23% hergibt 😜

Die größte Herausforderung an diesem Tag war, das Kärtchen vom Fotografen anzunehmen und in die Trikotasche zu stecken, bei Maximalpuls und in den ersten Metern von der letzten Rampe. Dies haben wir beiden bravourös gemeistert 🤩

Die Abfahrt ging dann über Courchevel zurück zum Campingplatz. Sehr schön war, dass in beide Richtungen die letzten Kilometer nur für Radfahrer freigegeben sind 😎

Wer jetzt „de Bolletjestrui“ bekommt, lassen wir offen…

Hinterlasse einen Kommentar