
In den letzten Wochen haben wir viel Zeit auf dem Rennrad verbracht, daher war es jetzt Zeit, mal wieder was anderes zu tun 😎 Wir sind von Allemond nach Chamonix-Mont-Blanc gefahren. Die Idee 💡 in unseren komischen Hinterköpfen, eine Mont Blanc Besteigung zu machen, hatten wir mitgenommen 😀
Wie immer ist es eine Überraschung, wo man landet. Diesmal kommen wir auf einen Campingplatz, wo wir erstmal bei der Besitzerin im Wohnzimmer eingeladen werden. Die alte Dame, geschätzt an die 80 Jahre, hat uns sehr herzlich begrüßt und in englischer Sprache erstmal die Gegend erklärt und die Highlights beschrieben mit genauer Zeitangabe, wann man am besten wo ist. Im Anschluss hat sie uns unseren Platz gezeigt. Nachdem Sie noch ein paar mal gefragt hat, ob wir das mit unserem Gespann schaffen werden und ob wir einen sogenannten Mover dabei haben, was wir verneinen, ist sie dann gegangen. Es zeigte sich, jahrelange Erfahrung auf dem Campingplatz und Jugendlicher Leichtsinn driften schon mal auseinander 😜 Sowohl beim Ein- als auch einige Tage später beim Ausparken auf dem rutschigem Boden mit leichtem Gefälle war das schon eine schöne Herausforderung , die wir aber gut gemeistert haben 😊

Wir durchwühlen das Internet auf der Suche nach Möglichkeiten einer Mont-Blanc-Besteigung. Wir lesen Berichte und schauen noch ein paar Videos an. Daraus müssen wir dann konkludieren: sowas braucht deutlich mehr Vorbereitung. Eine Hochgebirgstour braucht Planung. Unsere Fitness ist da kein Problem, die Höhenanpassung und Ausrüstung auch nicht. Kurzfristig ist es aber doch schwierig, Plätze in Hütten oder einen Bergführer zu bekommen. Aufgeschoben ist aber nicht Aufgehoben… Das werden wir in Zukunft neu angehen!
Umgedacht, und einfach ein paar schöne Wanderungen machen geht ja auch. Die grand mère hatte uns schließlich schon „die Welt“ erklärt 😀
Die erste Wanderung führte uns zum Glacier les Bossons. Eine wunderschöne Tour, die wir auf dem Campingplatz direkt starten können. Natürlich kann man mit dem Bus kostenlos zum Parkplatz an der Gondelbahn fahren, dann eine Gondel nehmen, da spart man sich einiges an Höhenmetern und Zeit. Zeit haben wir viel und Höhenmetern wollen wir sammeln, daher für uns keine Option. Bis zur ersten Hütte waren wir dementsprechend alleine unterwegs. Die erste Hütte ist gleichzeitig ein kleines Museum, wo Fundstücke eines Flugzeugabsturzes ausgestellt werden. Es sind die Überreste des Absturzes in 1966, die der Gletscher wieder freigibt. Schon sehr beeindruckend. Da hält man automatisch einen Moment inne und ist sich sehr bewusst, wie schnell alles vorbei sein kann.
Ab jetzt war es richtig voll auf dem Weg. Wir haben uns sehr gewundert, wie sich die Menschen doch teilweise sehr unbedarft auf den Weg begeben. Es waren auf dem Weg zur nächsten Hütte noch einiges an Höhenmetern zu bewältigen, es ging über Baumwurzeln, Felsbrocken und eine Vielzahl von Stufen. Die Mitwanderer sind teilweise auf ungeeignetem Schuhwerk unterwegs. Ältere Menschen, die schon sehr klapperig auf den Beinen sind oder Familien mit kleinen bis sehr kleinen Kindern. Da schüttelt wir manchmal nur noch unsere Köpfchen 🧐 Oben auf der Hütte haben wir eine schreckliche Brühe, mit dem Namen Kaffee getrunken und unsere eigenen Stulle gegessen. Danach sind wir wieder zurück runter gegangen.
Spannend ist es, wenn wir an der Begrüßung „Bonjour“ mittlerweile hören, aus welchem Land die Wanderer kommen 😀 Ein lautes schallendes Lachen 😝 polterte am Berg als ein Niederländer den ersten Blick auf den Gletscher erspäht und ein „Wauwwwwh“ ausstößt, genau in dem Moment, als Martin um die Kurve kommt. Der dann lapidar sagt: „It is just me“.
Am Nachmittag haben wir in Chamonix-Mont-Blanc ein wenig, aber dafür sehr erfolgreich, geshoppt. Zum ersten Mal nach längerem wurden wir dabei wieder mit der Coronahysterie konfrontiert: sogar draußen in der Fußgängerzone war Mund-Nasenschutz-Pflicht.

Die zweite Wanderung ging auch direkt vom Campingplatz los und führte entlang des Wanderweges Le Petit et Le Grand Balcon. 13,5 Km gespickt mit 1080 Höhenmetern und immer wieder „WAUWWWH-Momente“. Diese Blicke haben das Gefühl und die Idee, mal ganz nach oben zu steigen, auf alle Fälle nochmal bestärkt 😇
Der Abend, der dann bei folgendem Panorama ausklingt, ist unbeschreiblich und unvergesslich. Mont Blanc: Nous reviendrons.
Vom Glacier nun zur Glaciara 😎 Als wir den Stoneman Dolomiti Road absolviert hatten, haben wir Roland Stauder schon versprochen, seinen Spuren weiter zu folgen 😊 Von Chamonix-Mont-Blanc ist es nur ein Katzensprung, um in den Stoneman Glaciara einzusteigen. Also haben wir den Sprung gewagt und schon landeten wir in Mörel-Filet.
Der Sprung landete direkt auf dem Campingplatz Strauss. Wir steigen aus und „geimpft“ durch die Coronaerfahrungen von Chamonix-Mont-Blanc greifen wir zum Mund-Nasen-Schutz und fragen den Campingwirt, ob wir den brauchen. Seine Antwort: „Wenn ihr glaubt, dass es was nutzt, dann ja😜 Da waren wir uns doch gleich sympathisch 😀 Der Wirt betreibt zusammen mit seiner Frau den Campingplatz und gleichzeitig ihr Restaurant. Wir haben direkt am Abend bei ihnen gegessen: schweizer Haute-Cuisine. Das Restaurant war mit ca 30 Gästen komplett voll. Die beiden haben alles zur zweit gemacht: er die Küche, sie die Bedienung. Für uns, aber mehr als wahrscheinlich auch für die anderen, war es ein perfektes Dinner. Hut ab, wenn man das so schaffen kann: Campingplatz, Restaurant und 2 kleinere Kinder, und nie vermittelten die beiden einen Moment, Stress zu haben. Wunderschön, das zu erleben 😀

Wir wollen kein Werbespot machen, aber so engagierte junge Menschen wollen wir sehr gerne empfehlen 😀
Die Anmeldung zum Stoneman klappte auch diesmal wieder reibungslos und am Sonntag konnten wir unsere Startunterlagen abholen.

Montag sind wir früh aufgestanden und schon kurz nach 7 sind wir mit den MTB‘s losgefahren. Die komplette Strecke ist 127 Km lang und es werden dabei 4700 Höhenmetern überwunden. Wir wollen schon wie in den Dolomiten das Ganze in 2 Tagen absolvieren 😀 Die Strecke führte direkt am Campingplatz vorbei, das war schon mal easy 😇 Obwohl es sofort in die erste Steigung hineinging. Im Prinzip ging es mit ein paar flacheren Kilometern zwischendurch direkt aufs Breithorn hinauf. Da haben wir direkt schonmal über 1500 Hm gemacht.
Vom Breithorn eine schöne, schnelle Abfahrt runter und dann in einem kurzen Gegenangriff nach Binn zum zweiten Stempel 😀
Von Binn ging es dann wellig über schöne Trails nach Reckingen. Die einzige schwierige Aufgabe war hierbei, dass die Beschilderung völlig abweichend von unsere GPS-Daten war. Die Ausblicke waren super und ein Teil der Strecke war ausgestattet mit Skulpturen 😀
In Reckingen wieder gestempelt und auf ging es zum letzten Teil des ersten Tages nach Bellwald. Nur noch 10 Kilometer und 450 Höhenmeter, hörte sich erstmal einfach an, aber wie wir beiden mittlerweile wissen, sagen durchschnittliche Steigungsprozente oder Kilometerangaben mit Höhenmetern nichts aus über die Strecke, die kommt. Es fing langsam abfallend an, dann kamen ein paar flache Kilometer und dann… Genau die Höhenmeter mussten noch kommen und die Kilometerzahl wurde immer weniger. Da fällt sogar uns das positive Denken etwas schwer 😀 Trotzdem haben wir das Ziel erreicht und uns auf der Hotelterrasse ein Bierchen gegönnt 😎
Voller Euphorie und wunschdenken haben wir das Weisshorn erstmal als Mont Blanc gesehen 🤔
Nach einem leckerem Frühstück ging es dann auf dem zweiten Teil los. Verzweiflung und ein paar laute Worte in die Luft wurden am Start gebraucht, da direkt die Beschilderung und GPS Daten wieder unterschiedlich waren. Der erste Abschnitt bis Märjella fing an mit vielen Tiefenmetern, die teilweise schon technisch sehr anspruchsvoll waren. Spannend ist beim Mountainbiken, dass der Zeitunterschied eher beim Abfahren gemacht wird und nicht – wie beim Rennrad – beim Rauffahren 😀 Wer das Bike am besten beherrscht, ist am schnellsten unten. Es folgte dann ein langer Aufstieg zur Fiescheralp, von da aus eine kurze Abfahrt, gefolgt von einem kurzen, knackigen Anstieg bis zu einem ein-Kilometer-langen Tunnel. Laut Beschreibung ist er spärlich beleuchtet. Wir haben keine Beleuchtung gesehen 😜 Am Ende des Tunnels war aber wieder Licht und einen Stempelposten.
Wir gönnen uns eine kleine Stärkung und führen ein kurzes Gespräch mit den Tischnachbarn. Sie fanden die Stonemangeschichte ganz spannend, aber unser Sabbatical noch spannender ☺️ Wo man denn so was bekommt, wollte der Pensionär wissen und antwortete selber schon mal mit: „An der Hochschule“❓Wir haben es als Kompliment gesehen in Bezug auf unser jugendliches Aussehen 😇 Er hat uns dann noch den Tipp gegeben, einige Minuten herunter zu gehen, da hätte man einen wunderschönen Blick auf den Aletschgletscher.
Das nächste Teilstück ging dann über schmale und technisch sehr anspruchsvolle Trails wieder runter bis zur Fiescheralp. Ab da sollte es dann wieder etwas hoch gehen Richtung Moosfluh. Leider sollte es für uns nicht so sein, da Sigrids Bremsen jede Wirkung verweigerten. Wir haben daher beschlossen den einfachsten Weg zurück zum Campingplatz zu fahren. Schade, aber manchmal entscheiden unsere komische Köpfe dann doch vernünftig 🤔
Nach einem guten Schlaf sind wir am nächsten Tag sofort zu einem TREK-Fachhändler gefahren. Als Sigrid ihre Geschichte mit den Bremsen erzählt und ihm sagt, sie bräuchte eine neue Bremsanlage, intervenierte er im schönen Dialekt: „Wir überprüfen erstmal die Bremsbeläge, danach schauen wir weiter“ 😊 Es folgte eine kurze Belehrung darüber, dass Zeit und Distanz unwichtig sind für Bremsbeläge. Verschleiß hängt davon ab, wo und wie man fährt. Es stellte sich dann heraus, dass die Beläge völlig weg waren. Wir sollten einen Kaffee trinken, während die Beläge gewechselt werden. Wenn es dann noch nicht funktioniert, kann man über eine neue Bremsanlage sprechen, war seine Meinung. Ende der Geschichte neue Bremsbeläge haben gereicht 😀 Ein cooler Typ, der sein Handwerk versteht und mit Herz bei der Sache war. Kleine Denkanstöße hat er uns noch mit auf den Weg gegeben und schon waren wir wieder alle sehr glücklich 😀
Zur Erholung sind wir dann mal zu einem See gefahren…


















































Met volle teugen genieten van grote én kleine genietmomentjes
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