Fromm oder Froome, that‘s the question.

Denkmal …

Die Reise führt uns über eine schöne ländliche Strecke nach Lourdes. Auch hier gibt es noch einige Campingplätze, die geöffnet haben. Wir entscheiden uns für Camping le Forêt und gegen Camping du Loup, obwohl.… Wenn man Pech hat, kann einem natürlich auch im Wald der Wolf begegnen. Die niederländischen Follower kennen bestimmt noch Bor de Wolf der immer drohte: „Dan ga ik wel in het donkere bos“

Bor

Nach der doch etwas längeren Reise haben wir uns entschieden, am Abend in der Stadt etwas zu essen. Die MTB‘s ausgeladen und mit Beleuchtung ausgestattet geht‘s los 😀

Vom Campingplatz bis zur City sind es 3 Kilometer, also ein Klacks für die trainierten Beine 💪🏻 Vorbei an der Basilika-de-Notre-Dame-de-l‘Immaculée-Conception und dem riesigen Vorplatz, wo normalerweise die Prozessionen stattfinden, kommen wir im Zentrum an.

Auch an diesem heiligen Ort geht die Covid-19-Krise nicht vorbei. Alles wirkt wie ausgestorben, es finden keine Prozessionen statt und viele Geschäfte, Restaurants und Bars haben geschlossen.

Wenn man so daran vorbei radelt, kann man sich nicht vorstellen, wie voll es sonst sein wird. Wir machen uns Gedanken über das riesige Geschäft, was mit dem Glauben und der Hoffnung gemacht wird. Als nicht-religiöser Mensch ist es schwer vorstellbar, was die Menschen da mit sich machen lassen, aber in Relation gesehen zu Fußball oder Rockstars, wo andere hinpilgern und dem Geschäft, was da gemacht wird mit Eintrittskarten und dem kompletten Merchandising, kann man sich fragen: „What‘s the difference?“

Neutral gesehen ist es doch nicht wirklich wichtig, aus welcher Quelle ich meine Kraft hole. Betrachten wir die großen Religionen, ist die Grundbotschaft Liebe. Betrachten wir unsere Partnerschaft, ist das starke Band die Liebe und auch der BVB benutzt die Liebe…

Religion 😀

Unsere Reise genießen wir im Hier und Jetzt, saugen die Eindrücke auf und sprechen viel miteinander darüber. Trotzdem gibt es immer Ausschweifungen in die nahe Zukunft oder Rückblicke in unsere Vergangenheit.

Beide waren wir schon mal in Lourdes: Sigrid, als sie mit der ganzen Familie in Frankreich Urlaub machten. Da gibt es die Erinnerung an die kleine Anne, die während eines Besuchs zur Prozession einen fremden „Papa“ an die Hand nahm. Martin war in den 90er Jahre mal da auf seiner ersten Reise mit einem Wohnmobil. Er hat damals zusammen mit Sindi eine Patientin besucht, die zusammen mit ihrer Schwester eine Pilgerfahrt in Lourdes machte.

Ein Plätzchen zum Essen haben wir gefunden bei Brasserie „Le van Gogh“…

Passend zum Ort glaubte Martin, eine Erscheinung zu haben: am Tresen saß Willy DeVille…

Nach jahrelangem Konsum des Weihwassers war er jetzt umgestiegen auf Hochprozentiges. Das führte zu interessanten Tanzeinlagen auf dem Weg zum Klo, wobei die choreografische Höchstleistung das Schwingen mit dem Mund-Nasenschutz war 😂

Auf jedem Fall hatten wir auch das passende Bierchen zum religiösen Ort

In Arles waren wir das erste mal auf Vincent van Gogh gestoßen und jetzt wieder. Das animierte Martin zur Geschichtsforschung. Dabei fand er heraus, und das auch wieder passend zur Lourdes, dass dieser einige Zeit sehr fasziniert war von Religion und sogar als Hilfspfarrer tätig war. In Arles war er schon als Maler unterwegs. In dem gelben Haus, was wir da gesehen haben, hatte er sein erstes Atelier. Wie sein Leben lang, war er auch hier auf der Suche. In Südfrankreich wollte er die Farben finden und zwar „die blauen Töne und heiteren Farben des Südens“. Eine Idee war, ein gemeinsames Atelier aufzubauen mit anderen Malern. Der einzige, den er überzeugen konnte, war Paul Gaugain. Bevor der eintraf, malte van Gogh „Die Sonnenblumen“, um sein Zimmer zu schmücken. Ganze 2 Monate haben die beiden zusammen gelebt. 2 schwierige Charaktere trafen aufeinander und ein ungeklärter Vorfall trieb sie auseinander. Die Historiker streiten sich darüber, ob bei diesem Vorfall Gaugain ein Stück von van Goghs Ohr abgeschnitten hat, oder ob aus Verzweiflung er es selbst getan hat.

In seiner Phase in Arles besuchte er auch Saintes-Maries-de-la-Mer, einen Ort, wo auch wir gewohnt haben.

Wenn man in der Geschichte forscht, kommt man auch von Hölzken aufs Stöcksken…

Nachdem van Gogh mehrmals in Arles in der Klinik war wegen psychischer Auffälligkeiten, ging er nach Saint-Rémy-de-Provence in eine Klinik. Dieser Ort gehörte mal der Familie Grimaldi und in Dortmund sind wir gerne bei Vicenzo in Villa Grimaldi 😇 …

Den nächsten Tag haben wir uns um Ersatzteile und Pflegemittel für die Gerda gekümmert. Sigrid hat sich neue Bremsklötze am Rennrad montieren lassen und Martin hat leckeres Essen gekauft in der Markthalle und beim Metzger.

Dem ersten Teil der Fragestellung schon mal auf den Grund gegangen, haben wir uns am nächsten Tag Teil 2 gewidmet.

Der ursprüngliche Gedanke war eine 2-3-Tagestour zu machen, wobei wir einige Klassiker aneinander reihen wollten. Da aber die Wettervorhersage nicht gut ist und vor allem sehr starke Winde am Col du Tourmalet angekündigt sind, haben wir beschlossen, vom Campingplatz aus über Laruns den Col d‘Aubisque zu befahren und dann über den Col du Soulur wieder zurück. In der Nacht sind wir kurz vor Seekrank gewesen: der starke Wind hat die Gerda ziemlich in Bewegung gesetzt. Die alte Dame hat sich aber tapfer gegen den Wind gestemmt und ist unversehrt geblieben 💪🏻

Die Planung von Komoot, führte uns über kleine Nebenstraßen und schon ein paar kurze heftige Anstiege nach Laruns. An einem muss Martin ziemlich lachen, als Sigrid, die ungefähr 50 Meter zurück war, angefeuert durch Hofhunde in einem kurzen Zwischensprint wieder zu ihm aufschloss.

Und dann plötzlich mitten im Niemandsland …

In Laruns angekommen trinken wir erst einen Kaffee und genießen in der Sonne das Treiben im Dorf, bevor wir uns in den Anstieg begeben.

Der Pass liegt auf 1705 Meter. Der Weg dahin führte uns erstmal gemächlich durch ein Waldstück bis oberhalb von Laruns, danach weiter ohne steile Rampe bis in den alten, aber schönen Kurort Eaux-Bonnes. Aus dem Ort führen uns ein paar Kehren und dann geht es stetig gerade aus nach oben bis in den Ort Gourette. Gourette ist ein typisches Beispiel für französische Skiorte. Hässliche große Hotels, große Parkplätze und außerhalb der Skisaison komplett leer, keine Menschenseele, nichts.

Als wir Gourette verlassen, wird die Vegetation karg und eine schöne Bergwelt öffnet sich vor uns. In der Ferne erahnen wir schon eine Hütte am Pass, da angekommen sehen wir, dass sie geschlossen ist und dass wir noch fast 1 1/2 Kilometer fahren dürfen bis wir ganz oben sind 😁

Auf Passhöhe treffen wir noch einen Rennradfahrer, der ist aber nicht sehr gesprächig, dafür aber mutig oder mit den Örtlichkeiten vertraut.

Es stellte sich nämlich heraus, dass der Weg zum Col du Soulor gesperrt war und obwohl wir das Abenteuer nicht scheuen, haben wir diesmal beschlossen, es nicht zu wagen im Gegensatz zu unserem Kollegen 😀

Den gleichen Weg wieder herunter und in Laruns nochmal kurz Pause gemacht. Gestärkt durch ein Crêpe sind wir die letzten 40 Kilometer dann in Contre-la-Montre-Art zurück gedüst.

Am nächsten Tag war Erholung und Unterhaltung angesagt.

2 neue Nachbarn waren eingetroffen, ein Pärchen aus Göppingen und eine französische Familie.

Die französische Familie bestand aus einem belgischen Vater, irischer Mutter, 2 Töchtern und einem Hund. Papa war sehr gesprächig und ein lustiges durcheinander aus deutsch, niederländisch, englisch und französisch entwickelte sich. Neben allerlei Kleinkram wissen wir jetzt auch, dass Kinder von ausländischen Eltern in Frankreich nicht automatisch die französische Nationalität bekommen, beziehungsweise sie gar nicht so einfach erlangen können. Das haben sie aber erst bemerkt, als sie vor einer Reise Reisepässe beantragen wollten und die Mädels eigentlich staatenlos waren. Welche Nationalität der Hund hat, haben wir leider vergessen zu erfragen 😏

Bei dem Pärchen aus Göppingen machte die Frau auch ein Sabbatical. Sie war schon erfahren darin, da sie vor 5 Jahren auch schon ein Sabbatical hatte. Der Ehemann war verrentet und konnte auf diese Weise auch schön mitfahren.

Da können wir nur feststellen: da ist noch Potential…

Allerdings gehen hier unsere Meinungen und Vorstellungen noch ein wenig auseinander 😉

Insider-Wissen

Erstmal umziehen und …

2 Kommentare zu „Fromm oder Froome, that‘s the question.

  1. Tolle Erlebnisse die ihr da habt und noch toller das ihr uns daran teilhaben lasst. Eine schöne Zeit noch und wir freuen uns auf den nächsten Blog 🙂

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