Selbstfindung …

HILDFELD 2.0

Am 30. April sind wir mit Bussi und Gerda nach Hildfeld gezogen und sind zu viert in den Mai getanzt… Vor-Zurück, Vor-Zurück 1,2,3 …

Wir haben im Mai das Sauerland ganz neu entdeckt mit Hilfe von Tina und Markus und der MTB-Abteilung vom Skiclub Olsberg.

Wir sind Rennrad und MTB gefahren, sind gewandert und gelaufen. Die Tage wurden immer länger, die Sonne schien. Es stimmte einfach alles für einen perfekten Start in unser Sabbatical. Zwar nicht so weit weg wie wir vorher gedacht hatten, aber alles vorhanden von dem, was wir brauchen.

Wir brauchten jetzt wirklich ein paar Tage, um in unserem neuen alten Domizil anzukommen. Es fühlte sich irgendwie komisch an, jetzt wieder mehr drinnen zu sein. Nach 5 Monaten in Gerda auf engem Raum gelebt zu haben, dennoch fast den kompletten Tag draußen gewesen zu sein, angefangen mit dem ersten Klo-Gang am frühen Morgen und beendet mit dem Zahnputz-Gang am späten Abend 😎 Die Temperaturen waren auch in den Pyrenäen noch sehr angenehm und jetzt drohte Kälte und Nässe.

Wir waren es gewohnt, jeden Tag neue Dinge, Landschaften, Orte, Wege zu entdecken. Jeden Tag in einem Land mit einer für uns fremden Sprache und anderen Gewohnheiten. Wir haben fast 5 Monate immer die Berge vor unseren Augen gehabt, ob Österreich, Slowenien, Italien oder Frankreich. Die 3- oder 4-Tausender zu sehen ist doch nicht wirklich vergleichbar mit unserem Clemensberg oder den Nachbargipfeln vom Langenberg oder Kahler Asten.

Wir spürten, dass wir einfach innerlich noch nicht bereit waren, wieder zurück in Deutschland zu sein, wo wir doch eigentlich erst im März wieder zurück kommen wollten. Wenn wir durch Deutschland hätten reisen können, wäre es gefühlt wahrscheinlich anders gewesen, aber jetzt fühlten wir uns irgendwie eingesperrt. Klar ist uns bewusst, dass wir hier deutlich mehr Freiheit haben als in Frankreich oder sonst wo in Europa. Uns ist auch klar, dass wir es deutlich einfacher haben als alle unsere Freundinnen und Freunde, die im Job mit ganz vielen Einschränkungen und Auflagen zu tun haben oder die teilweise gar nicht arbeiten dürfen. Das Gefühl war da und sobald es für uns deutlich war, was wir fühlten, war es besprechbar. Sprechen können wir beide sehr gut und auch miteinander ☺️ Da war der Weg wieder frei, so ganz ohne Volksbank 😉

Wir machen den Weg frei…

Die verschiedenen Wetterapps sagten einige schöne Tage voraus, sonnig und frisch. Da wir uns bei Veloland in Perpignan gut eingedeckt hatten, war „frisch“ absolut keine Ausrede! Und wir waren bereit für eine neue Challenge.

QUARANTÄNE TOUR

Teil I

Wir waren uns wie immer innerhalb von Sekunden einig, wobei eine von uns beiden leichte Zweifel hatte, ob „wir“ das schaffen. Der andere hatte da ganz und gar keine Zweifel, dass „Sie“ das schaffen würde 😉

Alle Vorbereitungen getroffen, Rennräder fertig, Rucksäcke gepackt und am frühen Morgen geht‘s los. Es ist zwar frisch, aber die uns vertraute Strecke führt nach 2 Kilometer durch Grönebach und da darf man sich dann schon warm strampeln bei eine Steigung von 10%. Darauf folgt ein gemächlicher Anstieg, der durch Winterberg führt bis Altastenberg. Dann kommt eine etwas längere Abfahrt, die doch tatsächlich Erinnerungen an Alpenpässe aufkommen lässt. Weiter geht’s landschaftlich sehr schön an Westfeld, Oberhundem und Schmallenberg vorbei in Richtung Olpe. Die meisten Höhenmeter des Tages sind da schon abgestrampelt. Einen Kaffee und ein Leckerchen genießen und weiter. In der Nähe von Engelskirchen haben wir noch versucht, einer Dame mit ihrem MTB zu helfen. Sie hatte einen platten Hinterreifen und kam mit ihre Pumpe nicht klar. Auch wir haben es nicht geschafft und auch unser Werkzeug war für dieses Rad nicht passend. Nachdem wir ihr geraten haben, doch zur nächsten Tankstelle zu gehen, sind wir dann weiter gefahren. Der Weg lief schön an der Agger entlang, das Wetter war angenehm und es war nicht mehr ganz so weit. Optimal, um die letzten Kilometer schön locker zu Ende zu fahren 😁 Doch da hatte Komoot noch was anderes in Petto für uns: obwohl die Straße, auf der wir fuhren, die Kölnerstrasse war, sollen wir rechts abbiegen und nach Hohkeppel fahren. Hoh bedeutet hier unmissverständlich HOCH!! 120 Höhenmeter verteilt auf einen knappen Kilometer. Nicht „in the mood“ für sowas, bedeutet bei Martin…

auf die Strecke, auf Komoot, … nur nicht auf Sigrid 😇

Danach kam nur noch eine Steigung nach Motz-Feld oder war es Moitzfeld? 🤔 Egal, ab da war es dann wirklich nur noch „easy“. Und ruckzuck standen wir bei Anne vor der Tür 🚪

Da Home-Office angeordnet worden ist, ist sie auch „schon“ zuhause 😀

Wir machen uns erstmal frisch. Und dann darf uns Martin beim Café auf der Ecke Kaffee besorgen. In der Großstadt können wir die Gastronomie unterstützen – anders als bei uns in Hildfeld, da diese dort komplett zu machen. Martin mag kein Kleingeld in seiner Tasche. Das wissen aber nur wir beide. Der junge Mann im Café war sehr überrascht vom großzügigem Trinkgeld und wollte unbedingt noch Milch in den Kaffee tun. Da musste Martin noch kämpfen, die Milch wartete doch schon zuhause 😀

Nach dem gemütlichen Genuss des Kaffees und schön Quatschen mit Anne, trudeln erstmal Nora und anschließend Zoé und Pierre ein.

Das war das Signal für die beiden ausgehungerten Hungerhaken oder wie andere behaupten „ASKETEN“ mal nach dem Abendessen zu fragen 😇 Anne meinte, der Marin würde sich doch so gerne bewegen und auf der anderen Ecke wäre ein Italiener. Er könnte doch mal dahin gehen und sich die Karte anschauen. Wer die „Menne-Strukturen“ innerhalb des Greweclans kennt, weiß jetzt, was für eine enorme Verantwortung auf Martins Schultern gelegt wird. Da er aber sehr regelmäßig trainiert und dabei auch den Oberkörper nicht vernachlässigt, fühlt er sich dieser Aufgabe gewachsen und stiefelt los.

Als er zurück kommt, weiß er: die Aufgabe ist gemeistert! Aber wie wird die Reaktion sein auf das unaufgeforderte Mitbringen der Speisekarte? 🤪 Soviel Eigeninitiative wurde zwar nicht erwartet, aber Speisekarten werden angenommen inklusive der abfotografierten Tageskarte 😀

Die Bestellung machte Anne doch lieber selber – sicher ist sicher. Anne, Nora, Zoé und Pierre wählten jeweils ein Gericht und die beiden ausgehungerten Asketen je zwei.

Zum großen Erstaunen blieb kein Krümel übrig, sogar die Reste haben wir beiden noch weg gefuttert. Alles unter dem Genuss eines leckeren Rotweins, gespendet von Pierre. Wir bekamen gleichzeitig noch eine Lektion in französischer Konsequenz. Ein leidenschaftlicher Monolog über die Belgier, die absolut keine Verträge haben mit dem Slogan: „Don‘t Drink and Drive“, geführt von Pierre, endete damit, dass er nach dem Abendessen und Rotwein aufstand und mit dem Auto nach Brüssel gefahren ist.

Nachdem die beiden Mädels ins Bett gegangen sind, haben wir noch schön zu dritt gequasselt – ein wirklich schöner Abend, der dann für uns im Ehebett endete.

Am nächsten Morgen sind wir vor allen anderen aufgestanden und haben gut gefrühstückt, wobei Sigrid auch noch die „Hasen“-Butterbrote von Nora mitgegessen hat. Nora konnte später gar nicht glauben, dass wir schon weg waren. Ein paar Tassen Kaffee und um 7 Uhr saßen wir auf den Rädern auf dem Weg zu Mutti 😀

Kühl aber schön …

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