
Wenn man ein ganzes Jahr nicht arbeitet, hat man auch ein ganzes Jahr keinen Urlaub. Daher haben wir uns für die Fahrt mit Nicole und Lothar Leder im Mai angemeldet, um endlich mal Urlaub machen zu können. Für so eine Fahrt sollte natürlich trainiert werden und nach einigen Recherchen und einem Probelauf im Dezember haben wir uns entschieden, mit der Plattform Bike2PEAK unser Training zu gestalten.
Sofort am ersten Tag des Jahres steht das erste Training auf dem Programm. Allerdings muss der weibliche Anteil von uns pausieren. Sie meldet sich ordnungsgemäß ab mit unerklärlichen Kopfschmerzen. Es steht auch jetzt noch im Raum, ob es zu wenig Wasser gewesen ist am Vortag oder ob es eher der Sekt gewesen ist. Bei letzterem in Sektgrids Fall eher schwer vorstellbar 😉
So machte sich dann Martin alleine auf dem Weg ins bergige Hinterland. Eine wunderschöne erste Trainingseinheit voller Abwechslung, die allerdings kurz vor Halbzeit unterbrochen wurde. Am Anfang des Jahres gleich mal die ersten negativen Sachen erledigen, macht direkt Platz für ein unbeschwertes Jahr. In einer kleinen Zwischensenke gab es einen „Durchschlag“ und der Hinterreifen war platt. In aller Ruhe Schlauch gewechselt und als Martin dann nach getaner Arbeit den Blick wieder zufrieden aufrichtet, schaut ihm ein großer Hund in die Augen. Nach ein paar ermahnenden Worten und mit einem nicht-eingeflicktem Fuß fuhr er wieder los. Der Hund hatte aber Null Interesse, somit konnte Martin mit eingeklickten Füßen trotzdem befreit weiter fahren und sich auf das nach Hause kommen freuen. Solange waren wir schon lange nicht mehr getrennt.
Der nächste Tag ist ein Reistetag, wir ziehen weiter in südwestliche Richtung bis in die Provinz Murcia. Das Überschreiten von Provinzgrenzen kann, wie wir gelesen haben und viel später auch mal selber in Erfahrung bringen werden, zum Problem werden. Heute läuft alles geschmiert und zügig sind wir in Mazarrón beziehungsweise im vorgelagerten Ort Bolnuevo.
Der Campingplatz liegt direkt am Strand, die Anmeldung ist unkompliziert und wir dürfen uns selbst ein Plätzchen aussuchen. Unsere kleine Gerda platzieren wir Millimeter genau neben einem der vielen großen Wohnmobile. Wie schon häufig erlebt, schaut unser neuer Nachbar zu und bietet seiner Hilfe an. Wir lehnen dankend ab, dafür kriegen wir dann aber sofort alle wichtigen Informationen über sämtliche Nachbarn, Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants. Die überwinternden Senioren sind echt Gold wert, wobei wir uns noch nicht sicher sind, ob das Hilfsangebot entsteht aus Angst, um das eigene Wohnmobil oder doch aus Nächstenliebe 😇
Nach 2 Ruhetagen fängt jetzt am 03. Januar auch für Sigrid das Training an. Gemeinsam starten wir vom Campingplatz, aber nach einigen Kilometern merken wir das sich unsere Wege erstmal trennen müssen. Die Vorgaben sind zu unterschiedlich: entweder würde einer viel zu wenig machen oder der andere viel zu viel. Nachdem Martin seine ersten Intervalle gemacht hat, wartet er und den Rest der Fahrt können wir dann doch gemeinsam machen. Unsere erste Fahrt zeigt uns auch wieder ein komplett anderes Hinterland und in den nächsten Tagen lernen wir, wo unsere Tomaten, Zucchinis und anderes Gemüse im Winter herkommt.
Bei schönstem Wetter sind wir den nächsten Tag aufgebrochen, um ein paar Höhenmeter zu machen. Die Streckenführung lief vom Campingplatz aus direkt ins wellige Hinterland. Eine besondere Gegend, die geprägt wird von riesigen Gewächshäusern, nicht so wie wir sie aus Deutschland oder die Niederlande kennen aus Glass, sondern mit Plastikfolien überspannt. Die Parzellen liegen links und rechts von den kilometerlangen geraden Straßen. Teilweise bestückt mit Schildern von Bayer Leverkusen. Seit COVID-19 durch die Welt zieht und Bayer wohl nicht an dem Impfstoff arbeitet, gehen sie in die Offensive und werben für eine natürliche Unterstützung bei der emotionalen Belastung in der Krise. Daher haben wir vollstes Vertrauen darin, dass da nur Gesundes wächst 😇
Wir dürfen aber relativ schnell einmal links abbiegen und ab da verlassen wir die Anbaugebiete und fahren dann in Richtung Mittelgebirge. Eine jetzt sehr abwechslungsreiche Umgebung öffnet sich vor uns. Wir fahren durch kleine Dörfer und steigen langsam aber stetig nach oben. Insgesamt sind es 32 Kilometer, die uns bis zum höchsten Punkt führen. Die karge Landschaft haben wir hinter uns gelassen und wir sind durch einen Pinienwald den Berg hinauf gefahren. Hier oben gibt es kleine Parzellen, wo sich Plantagen befinden. Schwer zu bearbeiten und schlecht zu erreichen, völlig konträr zu den Gewächshäusern.
Die Fahrt zurück führt uns recht schnell nach unten zur Küste und über eine National-Straße nach Hause.
Den nächsten Tag machen wir eine Küstenfahrt. Von Bolnuevo geht’s nach Mazzaroń. Da verlassen wir die Hauptstraße und folgen der Küstenlinie. Die Sonne scheint und bei den Anstiegen wird uns schön warm. Manchmal finden wir bei Komoot schöne Strecken, die die einheimischen Rennradfahrer da hinterlegen. Das erspart uns viel Suchen. Und die Jungs und Mädels kennen oft schöne Aussichten, die wir selber eher nicht finden würden. Die schmalen Straßen führen uns an der Küstenlinie entlang bis zu „las Antennas“. Das ist zwar militärisches Gebiet, aber nicht gesperrt.
Nach einer kurzen Pause fahren wir weiter, wobei es erstmal einige Kilometer hinuntergeht. Wir werden unten belohnt mit dem Blick auf eine alte Burg. Ein Highlight für viele spanische Gäste, die bis dahin mit dem Auto fahren und uns etwas argwöhnisch betrachten.

Von da aus geht es unspektakulär, aber trotzdem wunderschön wieder zurück zum Campingplatz.
Nachmittags sind wir dann zu Fuß zu einem Highlight in Bolnuevo gegangen. Es gibt da eine besondere Sandsteinformation.
Bevor die Abreise Anstand, gab es noch einen Radtag. Für viele von euch wahrscheinlich langweilig, für uns „leider geil“. Eine Tour, die uns erstmal über einen kleinen Pass führen wird, bevor wir zum Ende hin auf die Strecke stoßen, die wir am ersten Tag gefahren sind. Es fasziniert uns total, wie unterschiedlich die Landschaft hier ist. Von der Hauptstrasse links oder rechts abbiegen oder gerade aus, eröffnet sich immer ein komplett anderes Bild. Die Vegetation, die Felsformationen, die Plantagen alles ist komplett anders. Diesmal biegen wir rechts ab und statt Sandstein finden wir jetzt Kalkstein, statt Gewächshäusern gibts es Weinanbaugebiete. Der Weg zu unserer schon gefahrenen Strecke führt uns über ein Hochplateau mit Orangen- und Zitronenplantagen. Die Augen können sich einfach nicht satt sehen. In Gedanken sind wir heute bei Maria, da wir durch das Gebiet „los Navarros“ fahren 😀
Der Abschied fällt uns dieses Mal gar nicht schwer. Außer zu unserem hilfsbereiten Nachbarn ist der Kontakt zu den anderen Gästen nihil. Dazu kommt ein älteres französisches Ehepaar, das sich permanent und lautstark in der Wolle hat. Uns zieht es am vorhergesagten Regentag weiter nach Almería.


































