Campo de entrenamiento o Residencia de ancianos?

Sierra Nevada

Die Strecke La Garoffa bis Motril ist etwas über 100 Kilometer und führt an der Küste entlang. Ein ständiges auf und ab gespickt mit wunderschönen Blicken. Die Küstenstraßen in Spanien sind nicht vergleichbar mit den Bundesstraßen oder Autobahnen im Pott oder Deutschland allgemein, es ist relativ wenig Verkehr und die Verkehrsteilnehmer gehen respektvoll miteinander um.

Etwas mehr als eine Stunde brauchen wir und wie immer klappt alles bei der Anmeldung reibungslos. Auch jetzt dürfen wir unser Plätzchen selber aussuchen und nach einem kleinen Rundgang haben wir neben einem Ehepaar aus Krefeld einen schönen Platz gefunden. Kurz in der Rezeption Bescheid gegeben und mit Bussi und Gerda hingefahren.

Jawohl, ihr ratet richtig: der Nachbar kommt aus seinem Vorzelt raus und bietet uns sofort seine Hilfe an, erklärt uns, wie wir alles am besten machen und hilft beim Rangieren 😂😂 Er redet die ganze Zeit und erzählt uns eine ganze Menge, ob wir es jetzt hören wollen oder nicht. Sigrid rettet uns mittels eines kurzen Unterbrechungssatzes, dass wir den Rest schon schaffen und er dackelt brav wieder zurück zu seiner Frau.

Einer von Sigrids ersten Eindrücken bei Martin war „unnahbar“ und diese Ausstrahlung, die er manchmal hat, hilft uns dann, dass der Kontakt nicht gleich in eine Freundschaft fürs Leben ausartet, die aber nicht auf Gegenseitigkeit beruht 😇 Im Nachhinein müssen wir die Sensibilität des Mannes loben, da er uns nach seiner „Ersten Hilfe“ tatsächlich in Ruhe gelassen hat.

Abendstimmung vor Gerda

Zum Trainingslager wird Motril dank COVID-19: die Infektionszahlen sind in ganz Spanien, aber vor allem in Andalusien nach Weihnachten und Silvester richtig in die Höhe geschossen. Nach und nach werden immer mehr Provinzgrenzen gesperrt und später auch die Grenzen zwischen den verschiedenen Kommunen.

Zitat Johan Cruijff: „Jeder Nachteil hat seinen Vorteil.“

Wenn es COVID-19 nicht gegeben hätte, wären wir jetzt in Neuseeland unterwegs. Stattdessen reisen wir durch Spanien und lernen sehr bewusst das spanische föderale System – eingebettet in der parlamentarischen Erbmonarchie – kennen. Eine sehr schöne und interessante Erfahrung 😎

Auf unserer Einreise haben wir keinen Halt in der autonomen Region Catalonië gemacht, sondern sind direkt durch bis in die Region Valencia. Von Valencia ging es dann zur Region Murcia, von da sind wir dann nach Andalusien gekommen.

In Valencia waren wir in den beiden Provinzen Valencia und Alicante unterwegs, die Region Murcia hat keine Provinzen und in Andalusien waren wir erstmal in der Provinz Almería und sind jetzt angekommen in der Provinz Granada. Granada wiederum grenzt im Südwesten an der Provinz Málaga. Auf den ersten Blick wirkt das für euch wahrscheinlich etwas oberlehrerhaft, für uns war es eine Notwendigkeit zu wissen. Dummheit schützt vor Strafe nicht: unwissend in eine andere autonome Region, Provinz oder Kommune zu fahren, kann trotzdem zum Bußgeld führen. Das wollen wir natürlich vermeiden.

Den Tag der Ankunft nutzen wir für einen Einkauf und einen ersten Versuch, den passenden Anschluss für spanische Gasflaschen zu ergattern. Das letztere leider erstmal erfolglos.

Martin absolvierte noch sein „Schwimmabzeichen“, die Challenge >>1000 Meter schwimmen im Januar<<. Voll guten Mutes schritt er ins Wasser, um mal eben die Einheit hinter sich zu bringen. Leider spielte das GPS nicht so mit, was es aber für die Zuschauerin am Strand zu einer kleinen Spaßveranstaltung machte. Ein ständiges Hin und Her mit immer wieder ungläubigen Blicken auf die Uhr. Und nochmal, und nochmal und nochmal 😂😂 Auch wenn es noch so kalt war, sein komischer Kopf ließ ihn erst nach Erreichen des Ziels wieder zum Strand zurück kehren.

Nachdem wir am Vortag unseren hilfsbereiten Krefelder King Alfred kennengelernt hatten, reisten am nächsten Tag neue Nachbarn an. Ein nettes Seniorenehepaar aus Baden-Württemberg mit ostdeutschem Dialekt. Eine wunderschöne Mischung, die durch die Maskenpflicht noch schwieriger zu verstehen ist. In den kommenden Wochen fiel uns bei den beiden immer der nette Umgang miteinander auf, was wir über die Krefelder nun wirklich nicht behaupten können. Bei so ständig wechselnder Nachbarschaft gibt es natürlich vieles zu beobachten und viel Futter für Hobbypsychologie. Vieles zu lernen darüber, wie man kommunizieren kann oder wie man absolut nicht kommunizieren möchte. Wir persönlich bleiben doch lieber bei einem liebevollen und respektvollen Umgang miteinander, bei dem jeder den Anderen so lässt wie er ist. Ist natürlich auch einfach bei uns, weil wir beiden den Anderen so am liebsten haben, wie sie/er ist 🥰

Während unserer Zeit in Motril kam der Nachbar aus BW immer mal wieder rüber. Er war sehr interessiert an unseren Rennrädern und der Pflege, stellte viele Fragen und kam sofort mit einem Ersatzschlauch an, als er gesehen hat, wie wir unsere Satteltaschen neu bestückt haben. Leider passte sein Schlauch nicht, aber die Geste war sehr lieb.

Ein paar Straßen weiter wohnte ein anderes Pärchen aus dem Osten, deren Mann auch immer sehr interessiert an unseren Aktivitäten war. Für uns ist natürlich dann spannend, was sie zu berichten haben, nachdem sie sich erstmal entschuldigen und ihre eigene Leistung auf ihren Rädern im Vergleich mit unserer total runterschrauben. Wir bewundern aber alle Menschen, egal, was sie machen oder auf welchem Level. Schön ist zu sehen, wie sie alle noch auf ihre Art aktiv sind und einfach das Leben genießen.

An Tag zwei haben wir die Strandbar mal getestet und für gut befunden. Die Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit und bei den mehrfachen Besuchen in den Folgewochen, brauchen wir keine Bestellung mehr aufgeben. Wir setzen uns nur hin und schon kommen die Getränke, fast immer in Begleitung von kleineren Snacks 🤪

Manchmal mit kleinen Besuchern …

Immer wieder schön, seinen Feierabend da zu verbringen und auch immer gut besucht, aber ab 18 Uhr geht es in die Sperrstunde 😉

Sehr nett war ein Senior, der jeden Tag im „Hans-Peter Durst“ – Stil zusammen mit seinem Yorkshire Terrier seine Runden über den Campingplatz drehte, wobei er sich manchmal im Husky – Stil versuchte.

Vom 13. Januar bis zum 15. Februar haben wir uns in Motril aufgehalten! Zurück kommend auf dem Titel war es einerseits ein sehr erfolgreiches Trainingslager – 32 Rennrad-Traingseinheiten haben wir absolviert – 2650 Kilometer gespickt mit 33.000 Höhenmetern. Da können wir euch natürlich einige Fahrten beschreiben, vor allem weil jeder von uns seine eigenen Fahrten hatte, also die Einheiten, Kilometer und Höhenmetern mal 2️⃣ 😇 Da wir aber wissen, dass nicht alle so radbegeistert sind wie wir, ersparen wir euch viele Einzelheiten 😉

Anderseits war es eine Erprobung, wie es sich lebt im sonnigen Süden zwischen den Rentnern und Pensionären. Auch diese Probe war erfolgreich: das Leben ist entspannt und wie im „normalen Leben“ kristallisiert sich von ganz alleine heraus, mit wem man zurecht kommt und mit wem nicht. Man hört Diskussionen über Duschen: „Du darfst natürlich duschen heute.“ „Ich habe aber heute keine Lust.“ Man kriegt Gespräche mit über das besondere Futter für den Hund, was man sich zum Campingplatz schicken lassen kann. Oder das lautstarke Gähnen eines Nachbarns im 20 Minutentakt, egal zu welcher Tageszeit.

Ganz zum Schluss reiste ein junges Pärchen aus Stuttgart an, die beiden hatten für Mercedes-Benz gearbeitet und waren „freiwillig mit einer Abfindung“ ausgeschieden. Sie wollten auch mal ein Jahr ohne zu arbeiten durch die Welt ziehen, um währenddessen für sich selbst heraus zu finden, was Sie danach gerne machen möchten. Die Daniela hatte aber sofort ihre Visitenkarte bei Martin abgegeben, sie war nebenberuflich tätig für eine Firma….

Auf jedem Fall war es nach dieser für uns ungewöhnlich langen Zeit an einem Ort in beiden Titelthemen die höchste Zeit, erstmal weiter zu reisen. Dank sinkender Inzidenzwerte war das auch wieder möglich.

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