Learning by doing or not doing …

Am Abend vor der Abreise haben wir als Ziel die nahegelegenen Brenta-Dolomiten gewählt, ganz in der Nähe von Madonna di Campiglio. Eine wilde Berggruppe, die auch nicht so sehr mit Touristen überlaufen ist, und ganz sicher nicht zu dieser Zeit 😀

Unser Campingplatz Fae liegt direkt an der Hauptstrasse, daher auch sehr leicht zu finden. Ein Platz war kein Problem 😀 Schnell die Gerda installiert und dann in Ruhe eine Kleinigkeit essen… So hatten wir uns das vorgestellt. Gerade hingesetzt, hören wir ein Scheppern, direkt gefolgt von lauten Schreien und Jammern. Wie von der Tarantel gestochen springen wir auf und rennen los. Da finden wir eine alte Dame zwischen zwei Treppen liegend und stark aus einer Platzwunde am Kopf blutend. Da wird nicht gezögert und nichts wie hin, um mit Hilfe ihres Ehemannes und einigen anderen Gästen Erste Hilfe zu leisten. Auch wenn man sich nicht mit Worten verständigen kann, ist es wichtig, einfach da zu sein. In so einer Situation ist es schon eine große Hilfe, in dem Durcheinander und der Hektik eine Hand zu halten, ein paar Streicheleinheiten und sein Herz spüren lassen. Nachdem der Notarzt eingetroffen war und die Versorgung übernahm, ist die Dame dann zum Krankenhaus abtransportiert worden. Am Nachmittag hat sich der Ehemann nochmal bedankt für unsere Hilfe. Da kam der Therapeut in Martin doch heraus und er erklärte dem Mann, dass seine offensichtlich an Parkinson erkrankte Frau doch keine Pantoffeln tragen sollte, sondern immer feste Schuhe 👟 Am folgenden Tag kamen sie dann beide zusammen nochmal, um ihre Dankbarkeit zu zeigen und der Mann zeigte voller Stolz auf die Schuhe seiner Frau 😇

Am Nachmittag wollen wir uns vorbereiten auf unsere nächste Challenge. Da wir gut vorbereitet starten möchten, brauchen wir neben einigen Informationen auch noch eine detaillierte Wanderkarte und ein paar Grödel. Guten Mutes fahren wir nach Madonna di Campiglio und werden schon schnell fündig. Die ersten Informationen bekommen wir schon bei der Touristik Information. Die junge Dame hat uns in perfektem Deutsch die Wettervorhersage gezeigt und uns erklärt, wie und wo wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln hinkommen – Teil 1 ✅ Nächste Station ist ein Bergsportausstatter. Schnell erklärt, was wir machen wollen, was wir gerne hätten und woop-die-woop, halten wir Karte und unsere Grödel in den Händen 😀 Ein wenig geplaudert über die Möglichkeiten und Hütten: mal gefragt wie die Auslastung sein wird. Um diese Jahreszeit kein Problem, war die flotte und sehr überzeugte Antwort – Teil 2 ✅ Jetzt noch etwas Geld abholen, falls wir unsere Übernachtungen bar bezahlen müssen. In Spuckentfernung ist schon der nächste Geldautomat – Teil 3 ✅ Jetzt nur noch ein paar Lebensmittel einkaufen und damit – Teil 4 ✅ Da flutschte es uns heraus: „Das läuft wie am Schnürchen“.

Da Martin etwas abergläubisch ist, soll man die Dinge nicht herbeirufen‼️ Da wir aus der Nicht-Mont-Blanc-Besteigung gelernt haben, hat sich Sigrid dann daran gesetzt, mal bei den Berghütten Schlafplätze zu reservieren.

Aus der Traum… Alles für die nächsten Tage ausgebucht… Aufgrund der super Wettervorhersagen gibt es einen Ansturm. Da haben wir hin und her überlegt, versucht unsere Route anzupassen, den Zeitpunkt zu verschieben und sind dann zu dem Entschluss gekommen: „Kein Plan ist auch ein Plan“. Wir bleiben unserem Lebensmotto treu und machen was anderes 😀✅

Beschlossen, keine Brentadurchquerung ✅

Aus einer Brentadurchquerung wurde dann eine einzelne Klettersteig-Wanderung. Da wir jetzt keine Hütte erreichen müssen, sind wir am Morgen normal aufgestanden, haben in Ruhe gefrühstückt und unsere Sachen gepackt. Wir haben Zeit 😀 Wann fährt unser Bus 🚎? In 3 Minuten? Okay, dann nehmen wir den nächsten 😇 Eine Stunde später geht es dann los. Erstmal mit dem Bus bis zur Gondelbahn, dann mit der Gondel hoch bis auf 2400 Meter. Ein Leckerbissen für unsere Zahlenfreaks unter den Followern: Höhenmeter benennen, die wir gar nicht selber gemacht haben, vielleicht auch mal eine Option 😉 Gespickt dann natürlich mit allen Daten der Gondelbahn – Baujahr, Bauzeit, Anzahl der Gondeln, Geschwindigkeit etc.

Oben angekommen wird die Freude über unsere Entscheidung richtig groß, als wir sehen wie große Gruppen losziehen auf den Weg, den wir auch gegangen wären. Da wurde uns klar, dass eine Berghütte mit 115 Schlafplätzen auch erstmal ausgebucht sein muss! Es hätte Wartezeiten an Steigen gegeben, sicherlich auch nicht schön. Am Ende unserer Tour haben wir uns dann noch mal darüber gefreut, da wir auf unserer Runde keinen einzigen anderen Menschen getroffen haben, nur in weiter Entfernung insgesamt 6 Wanderer gesehen haben. Dafür aber einiges an Murmeltieren und Gemsen. Wobei die Murmeltiere sich wahrscheinlich tot gelacht haben über wieder so einen Wanderer, der versucht, Murmeltierpfeifen nachzuahmen 😜

Der Klettersteig an sich war sehr kurz und ziemlich einfach, der Wanderweg war teilweise sehr steil mit abwechselnd grobem Schotter, Felsblöcken oder sehr feinem Kies, in dem man dann bei jedem dritten Schritt wieder einen herunterrutschte. Auf dem Rückweg sind wir dann über eine der waagerechten Kanten in den typischen Dolomitenstufen vom letzten Bild gewandert – schon eine sehr besondere Erfahrung 😀 Die Wanderung hat dann doch einige Zeit in Anspruch genommen und am Ende waren wir froh, dass wir eine der letzten Talfahrten noch erreicht haben. Sonst hätten wir doch womöglich noch in einer der vollbesetzten Hütten um Unterkunft bitten müssen 😅

Den nächsten Tag sind wir dann auf den Spuren von Martins Vergangenheit gefahren. In 2015 war er einen kleinen unbedeutenden Pass gefahren. Dieser ist vom Campingplatz aus gut erreichbar und leicht zu fahren. So hatte er es in Erinnerung 😉 Das Wetter war gut und so gegen 11 Uhr haben wir uns ganz gemütlich in Bewegung gesetzt 😎 Die Anfahrt war sehr schön und einfach zu fahren, da es größtenteils runter ging.

Nach 25 Km erreichen wir dann das Städtchen Preore wo der Einstieg zur Passo Daone ist. Neu war eine Tafel direkt am Einstieg 😳

Da war Martins Wahrnehmung doch etwas verzerrt 🤔 Lang war der Anstieg nicht, aber schon sehr knackig. Wir haben uns von Anfang an getrennt und jeder ist sein Tempo gefahren. Da kamen wir doch noch ganz schön ins Schwitzen 😅

Für den neuen Watt-Durchschnittswert gab es ein Küsschen

Die Rückfahrt hatte dann noch ein Paar wunderschöne Blicke in Petto.

Der nächste Tag sollte ein Regentag werden. Wir sind dann schnell weiter über den Berg nach Ponte di Legno verreist – für eine letzte Testfahrt, bevor es zur Tour de France geht 😀

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