La grande boucle

Live dabei…

Nachdem wir im August schon einige Cols der TdF gefahren sind, machen wir uns jetzt aus den Dolomiten wieder auf den Weg, um noch ein paar Pässe zu fahren und dann live den jungen Kollegen zuzuschauen 😉

Wir reisen diesmal ein ganzes Stück über die italienische Autobahn, wo man bekanntermaßen Mautgebühren zu entrichten hat. Manchmal muss man nur ein Ticket ziehen, manchmal muss man den Streckenabschnitt direkt bezahlen oder man kommt zu einer Zahlstelle, an der man sein vorher gezogenes Ticket abgibt und dann die gefahrene Strecke bezahlt – alles vollautomatisch ohne Personal. Als wir auf die Autobahn auffahren, kommt eine Mautstelle, an der wir ein Ticket ziehen sollen. Nach einigen Fehlversuche geht wie von Zauberhand der Schlagbaum hoch. Es kommt aber kein Ticket 🎫 Kurze Überlegungen, aber wir sind dann doch losgefahren, weil die hinter uns Wartenden langsam unruhig wurden. Wir werden schon sehen, was passiert 😜 Als dann nach vielen Kilometern die nächste Mautstelle kam, ist Sigrid ausgestiegen und nach dem Drücken von mehreren Knöpfen, konnte sie der Sprechstelle einfach mitteilen, wo wir aufgefahren sind. Dann wurde gesagt, wie hoch die Gebühren sind, Geld eingeworfen und die Schranke öffnet sich 😀 Da haben wir uns fast für umsonst Gedanken gemacht 😇

Der Rest der Fahrt verlief dann wie am Schnürchen 😎 Und obwohl wir ca. 250 Kilometer gefahren sind, kamen wir entspannt in Seyssel an. Bis auf Platz 25 standen alle freien Plätze zur Verfügung. Da haben wir direkt unter Sigrids Lieblingsbaum Platz 26 genommen 😉

Gerda unter de Treurwilg

Wir haben Seyssel gewählt, weil man von da aus La Selle de Fromentel, Col de la Biche und Col de Grand Colombier kombinieren kann, so wie es auch bei der 15. Etappe der TdF gemacht wurde 😎 Weil Sonntag die Tour vorbeifahren sollte, haben wir für uns die sichere Variante gewählt und haben schon am Freitag unsere Runde gedreht.

Von Seyssel bis zum Einstieg konnten wir ca. 25 Kilometer schön einfahren und die ersten Eindrücke einsammeln, wie die Region sich auf das Spektakel vorbereitet. Die Dörfer wurden alle mit Fahnen und Fahrraddekorationen geschmückt, die Strecke schon gefegt, Markierungen angebracht, Absperrungen vorbereitet und sogar Streckenposten waren teilweise schon vor Ort 😉 Sigrid kam der Vergleich zu sauerländischen Schützenfesten in den Sinn.

Nach 25 Kilometer ging es dann in die erste Steigung des Tages. Schön gemütlich und nach den vielen Steigungen, die wir schon absolviert haben, waren die 4 – 7% echt entspannt zu fahren. Zum Glück haben wir neben Martins „Lieblings-Legoheft“ auch noch die Internetseite „Quäldich.de“, die uns schon vorgewarnt haben, es nicht zu unterschätzen.

Martins Lieblings-Legoheft.

Ab Kilometer 6 ging es dann an die richtige Arbeit: die Steigungs-Percentages wechseln sich ab zwischen 9,3 und 14,5% Steigung pro Kilometer. Da muss man schon mal einen Kilometer im Stehen fahren oder – wie wir Sonntag dann bei den Profis gesehen haben – hilft auch Schlangenlinien fahren 😅

Danach kann man wieder winken

Während der Fahrt nach oben wollten sich schon 2 ältere Ehepaare ein Plätzchen für ihre Wohnmobile suchen und haben uns zugejubelt. Das war wirklich nett 😀 Da die Plätze wahrscheinlich doch nicht optimal waren, haben sie uns einige Minuten später auf engsten Platz überholt und der vordere hat dabei ganz lustig auf die Trompetenhupe gedrückt. Das wiederum war nicht so witzig 🤔 Aber wie immer, wenn man es geschafft hat, genießt man den Triumph 😇 und alles war nur noch halb so schwer 😀

Die Abfahrt zum Col de la Biche war relativ kurz, so dass wir schon recht schnell den nächsten Aufstieg starten müssen. Die Steilheit war zwar deutlich geringer, aber der 6. und 7. Kilometer hatten doch wieder den 2-stellingen Prozentwert 😅 Auf Passhöhe waren 2 ältere Radfahrer, mit denen wir uns kurz unterhalten haben. Und dann – nach kurzer gegenseitiger Hilfe beim Passfotos machen – ging es weiter 😎

Wir fuhren ein Stück runter, haben dann noch eine Gegensteigung überwunden, bevor es in die richtige Abfahrt ging – schön flowig und schnell 😀

Zurück nach Seyssel, wo wir eine Kleinigkeit gegessen haben und einen Kaffee getrunken haben, bevor wir den Grand Colombier im Angriff nehmen wollen. Eine mit Pudding gefüllte Rosinenschnecke hat dann Martin gezeigt, dass er keine große Menge an Zucker im Darm vertragen kann: Übelkeit 🤢 Rülpsen, Druck im Bauch. Als dann noch nicht mal „Finger im Hals“ für Erleichterung gesorgt hat, haben wir dann die Heimfahrt angetreten.

Nach der misslungenen Auffahrt zum Grand Colombier hatte Martin jetzt mit dem noch eine offene Rechnung 😜 Die wollte er dann sofort am Samstag begleichen 😀 Nach dem Frühstück ist er aufs Rad: 14 Kilometer einfahren bis zu der Ortschaft Culoz und dann ging es in den Berg. War er ausgeruht oder hatte er statt Zucker jetzt Wut im Bauch❓ Wie eine Nähmaschine ist er hochgefahren, in der Bestenliste bei Quäldich.de mit der viert-besten Zeit! Trotzdem hat er sich alle Zeit genommen, um für den Sonntag alles anzusehen und schon ein Plätzchen zum Zuschauen auszumachen. Nach 2 1/2 Stunden war er wieder zurück bei der Gerda, glücklich und zufrieden 😀 Erste Tagesaufgabe erledigt ✅

Die zweite Tagesaufgabe war eine gute Route zu finden, wie man am einfachsten zum Berg kommt, um sich die Kollegen anzusehen 😀

Nach einem Gespräch mit einem Radfahrer am Grand Colombier, der meinte, man kommt am Sonntag nicht mit dem Rad hoch, hat Martin über Komoot eine MTB-Strecke ausgetüftelt, also Aufgabe erledigt ✅

Am Nachmittag haben wir noch mal ein wenig im Netz gesurft, wie es mit den Zuschauern gehandhabt wird und wie die Regeln bedingt durch Covid-19 aktuell sind. Zufällig haben wir die Nachricht gesehen, dass das Département Ain zur roten Liste gehört, und dass der Präsident des Départements entschieden hat, von Samstag 12 Uhr bis Sonntag 20 Uhr die letzten beiden Berge komplett für Zuschauer abzuschließen 😳 Da waren wir doch erstmal geschockt 😦

Aber da passt unser Lebensmotto mal wieder: „Kein Plan, ist auch ein Plan“.

Umdenken und Möglichkeiten überprüfen: ca. 3 Kilometer vom Campingplatz entfernt gibt es einen kleinen Anstieg, wo sie auch vorbeifahren. Also waren wir Sonntag gegen 13 Uhr zusammen mit vielen anderen an dieser Stelle 😇

Als wir ankamen, waren schon viele Menschen da. Es standen einige Wohnmobile auf dem Acker und der Erste, den wir anquatschten, weil wir ihn als Nachbarn aus dem HSK identifizieren, ist aber ein niederländischer Radsportfan, der aus steuerrechtlicher Gründen bzw. um Geld zu sparen sein Wohnmobil in Deutschland gekauft und zugelassen hat 😉 Er erzählt uns, dass er schon seit 30 Jahren der TdF folgt, egal wo sie sind, er ist auch da. Da kann es sogar passieren das man einen 30% Anstieg in England rauf fahren muss. Sein Fahrzeug hätte es von der Kraft her auch geschafft, aber wegen der Länge musste er dann doch wieder rückwärts runter, weil er die Kurven nicht schafft 😅 Immer wieder schön, was Menschen zu berichten haben und wie mitteilsam manche Menschen sind 😜

Nach einigen Stunden Warten kam dann erstmal der Tourkaravaan. Da werden T-Shirts, Mützen, Zeitungen und „Kamellen“ verteilt. Eine lockere, lustige Atmosphäre herrschte bis auf einmal ein ausgebüxtes Pferd angerannt kommt, verfolgt von der Gendarmerie 😳 Leicht verletzt wird der Gaul in unserer Nähe eingefangen und nach einigen Minuten vom aufgelösten Besitzer abgeholt. Aufregung schon vor dem Rennen 😀

Da wir auf dem IPad das Rennen live verfolgten, konnten wir unsere Leidensgenossen mit aktuellen Ereignisse versorgen und so verging die Zeit sehr schnell bis die Jungs an ans vorbei kamen.

Nachdem dann die Verfolgergruppe an uns vorbei war, sind wir dann rasendschnell zum Campingplatz gedüst und haben uns die Jungs am Grand Colombier bei genüsslichem La Chouffe und Schnittchen angeschaut 😜 Die Reihenfolge im Ziel: 1. Pogaçar, 2. Rogliç – ein Vorzeichen❓

Am Abend haben wir dann noch mal gecheckt, wie es in den verschiedenen Departements aktuell aussieht und haben festgestellt in Savoie – keine bedenkliche Situation! Also, kurzerhand beschlossen, wir geben der TdF eine zweite Chance 😎

Wir sind dann Montag erstmal nach Annecy gefahren. Da hatten wir einen Termin für Bussi, weil es eine europaweite Rückrufaktion gab, bei der eine Sicherung ausgetauscht werden sollte. Zum Glück haben wir in Dortmund verlässliche Back-Ups und diesmal hat unser Freund Christian Neumann diese Informationen weitergeleitet. Und so konnten wir die Garantiefrist einhalten 😀 Nachdem alles entspannt geklärt war, haben wir uns dann auf den weiteren Weg gemacht nach…

Aha, der aufmerksame Follower hat es bemerkt, da waren wir schon mal:

Genau wir haben extra für die Profis den Col de la Madeleine und Col de la Loze am 14. und 15. August schon getestet 😇 Wir haben den gleichen Campingplatz ausgewählt und mussten feststellen, dass der jetzt im Vergleich zu einem Monat zuvor fast doppelt so belegt war.

Wir wollten diesmal direkt am Berg in Zielnähe zugucken und den Berg von Courchevel-Seite hochfahren, damit nicht die Gefahr bestand, dass wir von der Strecke geholt werden. Martin hat dann am Vortag noch seine beiden Fahrräder glänzend sauber gemacht. Nach getaner Arbeit bewunderte Martin mit einem verliebten Blick seine beiden in Pose gebrachten Räder, worauf Sigrid sich laut überlegt: „Schaut er mich auch so verliebt an“?

Die Frage kann sie natürlich nur selber beantworten, allerdings hatte Martin hinterher noch eine kleine Überraschung …

Mit glänzendem Rad und einem Gesicht glatt wie ein Baby-Popo sind wir dann am nächsten Tag freudig den Berg rauf gefahren. Kurz nach 12 Uhr haben wir uns 150 Meter vor dem Ziel mit schönem Blick auf die letzten Kilometer und direkt an einer steilen Rampe postiert. Alles Perfekt 😇 Wir haben uns die Wartezeit verkürzen können mit dem Zuschauen, wie die verschiedenen Fernsehsender alles in Szene setzen. ARD/SR haben wir kurz angequasselt und ihre Idee bewundert. Sie wollten den Zuschauern vermitteln, wie steil es da wirklich ist. Ein paar bewundernde Worte bekamen wir vom Reporter, als er uns gefragt hat, ob wir da auch hoch gefahren sind und wir es bestätigten 😅

Auch Bernie Eissel, war direkt vor unserer Nase für Eurosport live dabei 😉

Ein fast perfekter Nachmittag 😍, aber nur fast…

Ungefähr eine halbe Stunde bevor die Fahrer ankommen würden, hievte sich der Kameramann vom französischen Fernsehen hinter seine Kamera und bemerkte, dass wir vor seine Linse kommen, wenn wir uns nach vorne beugen. Normalerweise bei uns beiden Hübschen gar kein schlechter Anblick. Leider mit Mund-Nasen-Schutz für ihn dann doch eher problematisch. Nachdem er dann unseren Nachbarn erklärt hat, was sie nicht mehr machen dürfen, hat er uns auch kurz angesprochen. Leider hat Martins Antwort: „je ne parle français“ nichts gebracht. Er hat es in Englisch nochmal wiederholt 😎 und hievte sich wieder in Position. Nach einige Minuten war ihm klar, die Zuschauer haben Probleme mit dem Kurzzeitgedächtniss. Da ist er wieder aufgestanden und hat kurzerhand mit 2 Absperrgittern seinen Bereich vergrößert und uns unsere Pole-position genommen. Sigrid ist eine Etage höher gegangen und Martin hat sich den Hals lang gezogen und hat sich weit über das Ansperrgitter gehängt. Der Witz am Ende: die Fahrer sind alle so weit zur anderen Seite gefahren, da hätten wir sein Bild nie gestört 😂

Die Stimmung war richtig großartig und das über die gesamte Zeit. Aber als dann Fahrer hochkamen, explodierte der Jubel. Einfach schön, auch das mal erleben zu können.

Als wir uns dann verabschiedet haben vom Berg, sind wir mit einigen der Profis, die auf dem Weg zum Hotel waren, runter gefahren und sie konnten uns nicht abhängen 😂😂

Franzosen sind deutscher als die Deutschen 😇

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