Wer es braucht …

Die erste Stunde haben wir gebraucht, um durch und aus Köln heraus zu kommen. Erstaunlich viele Radfahrer sind unterwegs zu dieser frühen Stunde, dafür gibt es aber ein ziemlich gut ausgebautes Fahrradwege-Netzwerk.

Die Temperaturen bewegten sich um den Gefrierpunkt, also ziemlich frisch und natürlich heißt es, doppelt aufpassen wegen Glättegefahr.

Von Köln bis zur Deutsch-Niederländischen Grenze waren es ungefähr 90 Kilometer. Da kaum Höhenmeter zu bewältigen waren, kamen wir richtig gut voran. Ein wenig Gedanken machten wir uns darüber, wie die Versorgung unterwegs mit Kaffee und Kuchen sein würde. Wie wir gelesen hatten, war in den Niederlanden und Belgien alles geschlossen und in der jetzigen Situation wollen wir unauffällig und ohne Diskussionen durch diese beiden Länder fahren.

Den ersten Halt haben wir dann vorsichtshalber noch in Deutschland gemacht. Unerwartet standen wir auf einmal in Gangelt. Die Straßen wirken wie ausgestorben, außer uns nur ein Handvoll Menschen unterwegs. Ordentliche Gärten, gefegte Bürgersteige, gepflegte Straßen. Nichts deutet darauf hin, dass dieser Ort deutschlandweit so eine Bekanntheit hat. Bei der Olga haben wir uns dann ein Käffchen und ein Stückchen Kuchen gegönnt. Die Holzbank vor dem Laden lud uns ein, den Ort auf uns wirken zu lassen. Nach einigen Minuten kam Olga aber raus und teilte uns freundlich mit, doch nicht unsere Speisen vor dem Geschäft zu genießen. Obwohl der ältere Herr im Rollstuhl schon länger da saß als wir, sind wir brav aufgestanden und nach nebenan gegangen.

Die Fahrt fortgesetzt ging es fast direkt über die Grenze. 10 Kilometer durch die Niederlande, um dann schon über die nächste Grenze nach Belgien zu fahren. Diese brauchten wir aber nicht selber radelnd überqueren: wir wurden mit einer Fähre rüber gefahren 😀

In Lanklaar haben wir unsere Butterbrote gegessen und kurz beraten: fahren wir durch oder fahren wir ein Stück mit der Bahn? 50% von uns war immer noch nicht wirklich überzeugt, die komplette Strecke zu schaffen. Eine überschlägliche Berechnung: Wie lange brauchen wir bis zu dem nächsten Bahnhof? Wie schnell bekommen wir einen Zug nach Antwerpen? Wie lange brauchen wir denn wohl mit diesem Zug – Sigrid erinnert sich an die Odysseen ihrer Freundin Elke? Summa summarum haben wir uns entschieden, weiter zu radeln. Wie schon erwähnt, 50% von uns war sowieso überzeugt, dass WIR die Strecke auch schaffen 😀

In Belgien 🇧🇪 ging es dann ziemlich schnell am Albertkanaal entlang. Wortwörtlich ziemlich schnell, da man schnurstracks gerade fährt und dies so gut wie ohne Höhenmeter. Mal eine Brücke oder die Schleusen in Kwaadmechelen waren höhentechnisch die größeren Herausforderungen. 60 Kilometer sind dann eine gute Zeit, sich mit sich selber zu befassen. Keine Schrittmeditation wie Thich Nhãt Hanh sie beschreibt, aber eine Trittmeditation. Rudi kennt die niederländischen Nähmaschinen und Mooiboys: gleichmäßige Trittfrequenz und nur die Beine bewegen, komplettiert mit perfekt aufs Rad abgestimmter Bekleidung 😇

Nur eine kleine Unterbrechung gab es, um uns noch mal kurz zu stärken: einkaufen im Supermarkt, wo man sich gar nicht aufhalten mochte wegen der sehr aggressiven Stimmung. COVID-19 😷 schaffte da auf keinen Fall eine Miteinanderstimmung. Nichts wie weg hier!

In der Dämmerung ging es durch Antwerpen, mitten durch den Feierabendverkehr, auch nicht wirklich lustig.

Am Ende des Tunnels war es Dunkel …

Nachdem wir dann aus dem Fußgängertunnel gefahren sind, war es dunkel. Die letzten 30 Kilometer im Dunklen über belgische Straßen und Radwege ist – wenn man schon 200 Kilometer unter den Rädern hat – ziemlich nervig 😬 Da waren wir am Ende echt glücklich, die Mama in den Arm nehmen zu können 😍

Zuhause …

Nachdem wir der Mutti den ganzen Sauerkrauttopf leergegessen hatten, haben wir ein Duvelchen genossen und den Abend in Ruhe bei einem schönen Gespräch ausklingen lassen…

Vorbereitung auf den Ruhetag 😇…

2 Kommentare zu „Wer es braucht …

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